Zapfenstreich

Gelesen und entnommen aus einer Ausgabe der Rheinischen Post von MARTIN BEWERUNGE

Bereits in einem Schriftstück aus dem Jahre 1572 heißt es, daß ,,kein Soldat sich nach dem Zapfen-Schlag in einem Wirtshause oder auff der Gassen finden noch der Wirt ihme nach dem Zapfen Schlag Bier reichen" dürfe. So weit reichen die Anfänge des Großen Zapfenstreichs zurück, der zunächst nur dazu diente; die Landsknechte aus den Schenken zur Nacht ins Heerlager zurückzubeordern. Dazu schlug der Profos (ein Militärpolizist) begleitet von einem Trommler und einem Pfeifer, mit seinem Stock auf den Zapfen des Fasses. Wer sich nicht zügig zur Ruhe begab, wurde hart bestraft. Aus diesem Ritual ist ein knapp halbstündiges Zeremoniell um das Lichterlöschen und um den Abschied geworden. Es wird stets erst nach Einbruch der Dunkelheit durchgeführt und gilt bis heute als besondere Ehrbezeugung.

Erstmals für den Zar

Im 18. Jahrhundert ließ Soldatenkönig Friedrich Wilhelm 1. seine ,,Langen Kerls" den Zapfenstreich erstmals in einer genau geregelten Abfolge durchführen. Friedrich Wilhelm III. soll 1813 den Brauch begründet haben, dem Zapfenstreich ein Gebet folgen zu lassen. Die heute noch übliche Form wurde erstmals 1838 in Berlin mit 1009 Musikern und 200 Trommlern zur pompösen Begrüßung von Zar Nikolaus 1. zelebriert. Der personelle Aufwand dieser Tage beträgt freilich nicht einmal ein Viertel des damaligen Aufgebots.

Fester Bestandteil des Großen Zapfenstreichs ist der Choral ,,Ich bete an die Macht der Liebe" geblieben. Die Melodie stammt von dem russischen Komponisten Dimitri Bortnianski (1751 bis 1825), der Text geht angeblich auf den deutschen Mystiker Gerhard Tersteegen (1697 bis 1769) zurück.

,,Macht der Liebe"

Die Trommeln und Pfeifen der Landsknechte (das ,Spil") sowie die Trompeten und Pauken der Reiterei bestimmen ebenfalls bis heute die feierliche Abendmusik des Großen Zapfenstreichs, dessen Spielleute von zwei Zügen Soldaten unter Gewehr und von Fackelträgern begleitet werden. Führer des Großen Zapfenstreichs ist ein Truppenoffizier, der mindestens im Rang eines Stabsoffiziers steht und die für die Zeremonie angeordneten Kommandos gibt.

Vor 1918 und nach 1933 wurde wiederholt der Versuch unternommen, ein anderes Lied als ,,Ich bete an die Macht der Liebe" in den Großen Zapfenstreich einzufügen. Doch kehrte man stets zu derselben Weise zurück. Die Zeremonie stößt in der Truppe bis heute auf breiten Rückhalt. Eine Alternative dazu ist bislang nicht vorgelegt worden.